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Bodydragging lernen: Warum dieser Kitesurf-Skill wichtiger ist als der Wasserstart

Kursantka ćwicząca body drag w Tarifie z prawidłową pozycją ciała i dobrą kontrolą latawca.

Bodydragging lernen: Warum dieser Skill im Kitesurfen so wichtig ist

Du kannst fahren, aber kein Bodydragging? Früher oder später wird das zum Problem.

Es gibt einen Satz, den wir in unserer Kiteschule immer wieder hören: „Ich kann schon fahren.“ Das freut uns natürlich. Aber dann kommt oft die nächste Frage von uns: „Kannst du dein Board nach einem Sturz auch wieder zurückholen?“

Und genau dort beginnt das Problem.

Bodydragging gegen den Wind in Tarifa – Kitesurfschüler beim Training mit High Spirits Kitesurf
Bodydragging ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, um das Board nach einem Sturz sicher zurückzuholen.

Warum Flachwasser-Spots manchmal ein Problem verstecken

Viele Kitesurfer lernen an wunderschönen Flachwasser-Spots wie Hel in Polen, Ägypten, Dakhla oder anderen Lagunen. Das Wasser ist flach, das Board treibt oft nicht weit weg und wenn man es verliert, kann man häufig einfach zurücklaufen.

Das funktioniert dort oft wunderbar. Bis man irgendwann nach Tarifa oder an einen anderen Spot mit offenem Meer kommt. Dann merkt man plötzlich, dass man zwar fahren kann, aber das Board nach einem Sturz nicht mehr zurückbekommt.

Und genau das ist ein Problem, das wir immer wieder sehen. Nicht unbedingt, weil der Schüler etwas falsch gemacht hat. An vielen Flachwasser-Spots ist Bodydragging einfach weniger entscheidend, weil man sein Board oft problemlos zurückholen kann. Dadurch wird diesem Schritt manchmal weniger Aufmerksamkeit geschenkt oder er wird nicht so intensiv trainiert wie an Spots mit offenem Meer.

Spätestens wenn man dann an einem Spot wie Tarifa unterwegs ist, merkt man schnell, warum Bodydragging so wichtig ist.

 

Bodydragging im offenen Meer bei Tarifa – Kitesurfschüler in korrekter Körperposition
Die richtige Körperposition macht beim Bodydragging einen enormen Unterschied.

Nach über 16 Jahren als Kitelehrer kann ich dir eines versprechen: Sehr viele Kiter, die nach Tarifa kommen und hier Schwierigkeiten haben, haben irgendwo vorher das Thema Bodydragging unterschätzt oder übersprungen.

Der Vergleich mit dem Einparken

Für mich ist das ein bisschen so, als würde jemand sagen: „Ich habe einen Führerschein und kann Auto fahren, aber einparken kann ich nicht.“

Solange man auf einem leeren Parkplatz unterwegs ist, fällt das vielleicht nicht auf. Sobald man aber in eine Stadt fährt, wird das plötzlich zum Problem.

Genau so ist es beim Kitesurfen. Solange alles perfekt läuft, merkt man oft gar nicht, dass beim Bodydragging eine Lücke vorhanden ist. Aber sobald das Board weg ist, wird aus einem kleinen Problem schnell eine stressige Session.

Warum wir beim Bodydragging so konsequent sind

Bei High Spirits sind wir beim Thema Bodydragging ziemlich konsequent. Nicht weil wir Schüler ärgern wollen. Nicht weil wir jemanden bremsen wollen. Sondern weil wir in den letzten Jahren gesehen haben, wie wichtig dieser Schritt wirklich ist.

Wer sein Board nicht sicher zurückholen kann, wird früher oder später Probleme bekommen.

Deshalb gilt bei uns auch: Wenn jemand ein Rental möchte und nicht ausreichend bodydraggen kann, gibt es kein Rental.

Das mag streng klingen, aber wir haben in der Vergangenheit einfach zu viele verlorene Boards gesehen. Und ein Board kostet schnell 600 Euro oder mehr. Noch wichtiger ist aber die Sicherheit und der Stressfaktor auf dem Wasser.

Bodydragging mit dem Board in Tarifa – wichtige Übung für Shorebreak und Leichtwindbedingungen
Bodydragging mit dem Board hilft dabei, Shorebreak sicher zu überwinden und auch bei wenig Wind zum Strand zurückzukommen.

Das eigentliche Problem ist oft das Ego

Interessanterweise haben Anfänger meistens gar kein Problem damit. Sie lernen den Ablauf Schritt für Schritt und verstehen schnell, warum Bodydragging dazugehört.

Schwieriger wird es oft bei Kitern, die bereits an anderen Spots unterwegs waren. Sie können vielleicht schon ein paar Meter fahren. Vielleicht sogar schon längere Strecken. Und dann kommt der Moment, in dem wir sagen: „Lass uns zuerst dein Bodydragging anschauen.“

Das fühlt sich für manche wie ein Schritt zurück an. Ist es aber nicht. Es ist einfach ein fehlendes Puzzleteil, das jetzt nachgeholt werden muss.

Eine Geschichte, die wir leider öfter erleben

Vor einiger Zeit hatten wir eine Schülerin, die bereits an mehreren Flachwasser-Spots unterwegs war. Wenn sie ihr Board nicht verlor, lief alles perfekt. Sie fuhr, hatte Spaß und war zufrieden.

Sobald das Board jedoch weg war, änderte sich die komplette Session. Der Lehrer erklärte immer wieder die Übungen. Sie wollte aber lieber weiterfahren. Bodydragging fand sie langweilig.

Das Ergebnis? Frust für die Schülerin, Frust für den Lehrer und deutlich weniger Fortschritt als eigentlich möglich gewesen wäre.

 

Irgendwann muss man akzeptieren, dass man bestimmte Schritte nicht überspringen kann. Beim Kitesurfen genauso wenig wie beim Autofahren.

Warum Fortgeschrittene Bodydragging sogar noch mehr brauchen

Viele glauben, Bodydragging sei nur etwas für Anfänger. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Sobald du neue Tricks lernst, wirst du dein Board verlieren. Beim ersten Sprung, bei den ersten Transitions, bei Rotationen, beim Umstieg aufs Surfboard, beim Foilen oder beim Strapless-Fahren.

Du wirst stürzen. Du wirst Fehler machen. Und du wirst dein Board verlieren. Das gehört zum Lernprozess dazu.

Wenn du jedes Mal Angst hast, dein Board zu verlieren, wirst du automatisch vorsichtiger. Du probierst weniger aus. Du entwickelst dich langsamer weiter.

Deshalb ist gutes Bodydragging keine Anfängerübung. Es ist eine Fähigkeit, die dich durch deine gesamte Kitesurf-Karriere begleitet.

Drei einfache Tipps für besseres Bodydragging

1. Schau auf dein Ziel
Viele Kiter beobachten ständig ihren Kite. Schau dorthin, wo du hinfahren möchtest. Dein Körper folgt meistens automatisch deinem Blick und es wird deutlich einfacher, eine saubere Linie zu halten.

2. Halte die Hand mittig an der Bar
Eine falsche Handposition führt oft dazu, dass der Kite langsam nach oben wandert. Dadurch zieht er dich wieder stärker nach Lee, du verlierst Höhe und musst ständig korrigieren. Eine saubere Handposition macht hier einen riesigen Unterschied.

3. Die richtige Körper- und Fußposition
Neben der Blickrichtung und der Handposition spielt auch die Körperhaltung eine wichtige Rolle. Wir haben dafür einen kleinen Trick, den wir unseren Schülern am Strand zeigen und der bei den meisten innerhalb kurzer Zeit einen großen Unterschied macht.

Die genaue Erklärung behalten wir uns aber für die Praxis auf. Sagen wir es so: Die Position deiner Beine und Füße hat deutlich mehr Einfluss auf dein Bodydragging, als die meisten denken.

 

Alex beim Bodydragging in Tarifa während einer Kitesurf-Session bei starken Bedingungen
Auch nach 16 Jahren auf dem Wasser muss Alex noch bodydraggen.

Die gute Nachricht

Bodydragging ist keine Übung, die Monate dauert. Wenn jemand motiviert ist und die Technik versteht, sieht man oft schon nach einer einzigen Session enorme Fortschritte.

Manchmal reichen 30 Minuten konzentriertes Training.

Und wenn sich jemand wirklich schwer tut, gibt es immer noch die Möglichkeit, dass unser Lehrer direkt mit ins Wasser geht und dort gezielt korrigiert. Das ist normalerweise nicht notwendig, kommt aber gelegentlich vor und hilft oft dabei, den entscheidenden Aha-Moment zu erzeugen.

Die meisten Schüler verstehen danach sehr schnell, warum wir diesem Thema so viel Aufmerksamkeit schenken.

Fazit

Bodydragging macht vielleicht nicht so viel Spaß wie der erste Wasserstart. Es sieht auf Instagram nicht spektakulär aus.

Aber es ist einer der wichtigsten Skills im gesamten Kitesurfen.

Wer ihn sauber beherrscht, verliert weniger Material, spart Energie, macht schnellere Fortschritte und kann neue Spots deutlich entspannter genießen.

Und genau deshalb nehmen wir dieses Thema so ernst. Nicht um unsere Schüler auszubremsen, sondern damit sie später mit mehr Selbstvertrauen, mehr Sicherheit und vor allem mehr Spaß auf dem Wasser unterwegs sind.

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